Allergietests: Arten, Durchführung und Bedeutung

Allergien betreffen Millionen Menschen weltweit und können eine Vielzahl von Symptomen verursachen – von Hautausschlägen und Juckreiz bis hin zu Atembeschwerden und Verdauungsproblemen. Allergietests sind eine wichtige Methode, um herauszufinden, auf welche Substanzen (Allergene) der Körper allergisch reagiert. Diese Tests helfen Ärzten, die richtige Diagnose zu stellen und gezielte Behandlungsmöglichkeiten zu empfehlen.

In diesem Artikel werden die verschiedenen Arten von Allergietests, deren Durchführung und die Bedeutung der Ergebnisse erklärt.

Warum sind Allergietests wichtig?

Allergien können nicht nur unangenehm sein, sondern auch zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen führen, besonders bei starken allergischen Reaktionen wie Anaphylaxie. Die genaue Identifikation von Allergenen ermöglicht es Betroffenen, den Kontakt mit den auslösenden Stoffen zu vermeiden und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Allergietests sind daher ein wichtiges Hilfsmittel, um allergische Erkrankungen besser zu verstehen und individuell zu behandeln.

Arten von Allergietests

Es gibt verschiedene Arten von Allergietests, die je nach Art der vermuteten Allergie und individuellen Faktoren ausgewählt werden. Die häufigsten Methoden umfassen:

1. Hautpricktest

Der Hautpricktest ist einer der gängigsten Allergietests und eignet sich gut zur Diagnose von Inhalationsallergien (z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare) und Nahrungsmittelallergien.

  • Durchführung: Kleine Mengen potenzieller Allergene werden auf die Haut aufgetragen, meist auf den Unterarm oder Rücken. Anschließend wird die Haut leicht eingeritzt oder gepiekst, um das Allergen in die Haut einzubringen.
  • Ergebnis: Wenn der Körper auf ein Allergen reagiert, bildet sich eine kleine Quaddel (Schwellung) oder Rötung an der Einstichstelle. Die Reaktion tritt in der Regel innerhalb von 15 bis 20 Minuten auf.
  • Vorteile: Schnell und relativ schmerzfrei, kostengünstig und effektiv.
  • Nachteile: Kann bei Menschen mit empfindlicher Haut falsche Positivreaktionen auslösen, und ist nicht geeignet bei bestimmten Hauterkrankungen oder wenn der Patient Antihistaminika eingenommen hat.

2. Intrakutaner Test

Der intrakutane Test ist empfindlicher als der Hautpricktest und wird häufig angewendet, wenn der Pricktest kein eindeutiges Ergebnis liefert oder wenn eine besonders genaue Bestimmung des Allergens erforderlich ist.

  • Durchführung: Bei diesem Test wird eine kleine Menge des Allergens unter die Haut injiziert, ähnlich wie bei einer Impfung.
  • Ergebnis: Auch hier wird die Reaktion (Schwellung, Rötung) innerhalb von 15 bis 20 Minuten beobachtet.
  • Anwendung: Der intrakutane Test wird häufig bei Verdacht auf Medikamentenallergien oder zur Bestätigung eines Pricktests eingesetzt.
  • Nachteile: Das Risiko für starke Reaktionen ist höher, daher sollte der Test unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

3. Bluttest (spezifisches IgE)

Ein Bluttest ist eine gute Alternative für Menschen, die Hauttests nicht durchführen lassen können oder möchten. Der Bluttest misst die Menge an spezifischen IgE-Antikörpern im Blut, die gegen bestimmte Allergene gerichtet sind.

  • Durchführung: Eine Blutprobe wird entnommen und im Labor auf spezifische IgE-Antikörper gegen verschiedene Allergene getestet.
  • Ergebnis: Je höher die IgE-Konzentration für ein bestimmtes Allergen, desto wahrscheinlicher ist eine allergische Reaktion. Die Ergebnisse liegen in der Regel nach einigen Tagen vor.
  • Vorteile: Geeignet für Menschen mit Hautproblemen oder wenn Antihistaminika eingenommen wurden. Es besteht kein Risiko für akute allergische Reaktionen.
  • Nachteile: Der Test kann teurer sein und liefert weniger schnelle Ergebnisse als Hauttests. Zudem sind IgE-Werte allein nicht immer ein sicherer Indikator für eine klinische Allergie, da auch Sensibilisierungen vorliegen können.

4. Patch-Test (Epikutantest)

Der Patch-Test wird hauptsächlich zur Diagnose von Kontaktallergien eingesetzt, wie z. B. allergische Reaktionen auf Nickel, Duftstoffe oder bestimmte Chemikalien in Kosmetika.

  • Durchführung: Pflaster, die mit kleinen Mengen potenzieller Allergene versehen sind, werden für 48 Stunden auf den Rücken geklebt. Die Haut wird anschließend auf Reaktionen untersucht, meist nach 48 und 72 Stunden.
  • Ergebnis: Rötungen, Schwellungen oder kleine Bläschen an der Teststelle deuten auf eine Kontaktallergie hin.
  • Vorteile: Speziell für die Diagnose von Spätreaktionen geeignet.
  • Nachteile: Zeitaufwendig, da der Patient für mehrere Tage keine intensive Körperhygiene betreiben sollte und auf die Teststellen achten muss.

5. Provokationstest

Der Provokationstest wird durchgeführt, wenn andere Tests keine eindeutigen Ergebnisse liefern oder um eine Diagnose zu bestätigen, insbesondere bei Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien.

  • Durchführung: Der Patient wird in kleinen, kontrollierten Dosen dem verdächtigen Allergen ausgesetzt, entweder oral (z. B. Nahrungsmittel), nasal (z. B. Inhalationsallergene) oder durch Anwendung auf der Haut.
  • Ergebnis: Der Arzt überwacht die Reaktion genau und bricht den Test sofort ab, wenn allergische Symptome auftreten.
  • Vorteile: Liefert klare Ergebnisse, insbesondere bei schwer zu diagnostizierenden Allergien.
  • Nachteile: Ein Risiko für schwere allergische Reaktionen besteht, daher muss der Test in einer spezialisierten Einrichtung und unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Vorbereitung auf einen Allergietest

Vor dem Allergietest ist es wichtig, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um genaue Ergebnisse zu gewährleisten:

  1. Verzicht auf Antihistaminika: Da Antihistaminika die allergische Reaktion unterdrücken, sollten sie vor einem Hautprick- oder Patch-Test für einige Tage abgesetzt werden.
  2. Absprache mit dem Arzt: Vor allem bei chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte der Arzt über alle Vorerkrankungen und aktuellen Medikamente informiert werden.
  3. Reinigung der Teststellen: Die Hautstellen, an denen der Test durchgeführt wird, sollten sauber und frei von Cremes oder Lotionen sein.

Nach dem Allergietest: Interpretation der Ergebnisse

Die Ergebnisse von Allergietests müssen immer von einem Arzt interpretiert werden, da positive Testergebnisse nicht immer eine klinisch relevante Allergie anzeigen. In einigen Fällen zeigt der Test lediglich eine Sensibilisierung an, ohne dass Symptome auftreten. Daher ist eine umfassende Bewertung der Testergebnisse in Verbindung mit der Krankengeschichte und den Symptomen notwendig.

Ein positives Testergebnis bedeutet, dass der Körper IgE-Antikörper gegen das Allergen produziert, was auf eine Allergiebereitschaft hinweist. Ein negatives Ergebnis schließt eine Allergie in der Regel aus, allerdings kann in seltenen Fällen auch eine Allergie bestehen, ohne dass der Test positiv ausfällt.

Möglichkeiten zur Behandlung von Allergien nach einem Allergietest

Nach der Diagnose können geeignete Behandlungsstrategien entwickelt werden:

  • Allergenkarenz: Vermeiden Sie den Kontakt mit dem identifizierten Allergen, wann immer möglich.
  • Medikamente: Antihistaminika, Kortikosteroide und andere Medikamente können helfen, die Symptome zu lindern.
  • Immuntherapie: Bei starken Allergien kann eine spezifische Immuntherapie (z. B. Allergiespritzen) die Symptome langfristig verbessern.
  • Notfallmedikamente: Für Menschen mit schweren Allergien, wie z. B. Anaphylaxie, ist das Mitführen eines Epinephrin-Pens lebenswichtig.

Fazit

Allergietests sind ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik von Allergien und helfen Ärzten, den Auslöser der Beschwerden präzise zu identifizieren. Durch verschiedene Testmethoden, wie den Hautpricktest, Bluttests und Provokationstests, lassen sich die jeweiligen Allergene erkennen und gezielt behandeln. Eine frühzeitige und genaue Diagnose ermöglicht es Betroffenen, ihr Leben trotz Allergien symptomfrei zu gestalten und schwerwiegende Reaktionen zu vermeiden.

Quellen

  1. American Academy of Allergy, Asthma & Immunology. (2021). Allergy Testing Overview. https://www.aaaai.org
  2. Mayo Clinic. (2021). Allergy Tests and How They Work. https://www.mayoclinic.org
  3. World Allergy Organization (WAO). (2020). Guidelines for the Diagnosis of Allergies. https://www.worldallergy.org